ERFAHRUNG
ist ein Anzug, der mit den Jahren
immer besser passt.

Bis vor einigen Jahren war es nicht so selbstverständlich wie heutzutage, dass ein elektronisches Gerät funktioniert. Häufig war man mit einer blauen, kryptischen Anzeige konfrontiert, die sogar einen Fall aus dem dritten Stock überlebt hätte. Nach einem sogenannten „Blue Screen of Death“ war man in der Regel gezwungen, sich selbst zu helfen. Insbesondere, wenn die Motivation fehlte, sein Taschengeld für eine Reparatur zu opfern.

Geduld macht sich irgendwann bezahlt. Und der sympathische Junge aus der Nachbarschaft ist allemal günstiger, als das Systemhaus im Telefonbuch. Doch schnell werden Computerprobleme zur Routine, also müssen neue Herausforderungen her. Aus einer anfänglichen Begeisterung für Formen und Farben entwickelt sich bald eine ausgeprägte Leidenschaft.

Gutes Design liegt immer im Auge des Betrachters. Natürlich, es gibt Regeln, aber man benötigt keine spezielle Ausbildung, um etwas zu schaffen, das schön anzusehen ist. Liebe zum Detail, eine Faszination für Harmonie und ein Faible für Schnörkel und gerade Linien genügen. Ein Quäntchen Talent schadet selbstverständlich auch nicht. Selbst, wenn es immer noch schwer fallen sollte, dem Strichmännchen ein Gesicht zu zeichnen.

Doch auch der schönsten Tabellenkalkulation der Welt fehlt jeglicher Wert, wenn sich ein Plus nicht in ein Minus verwandeln lässt. Also stellt sich die Frage, was nötig ist, um ein und das andere Mal ein korrektes Ergebnis zu erhalten. Glücklicherweise kamen einige kluge Köpfe bald auf den Gedanken, aus vielen Nullern und Einsern verständliche Sprachen zu konstruieren. So wurde es schließlich auch den eher Kreativen unter uns möglich, Bildern Leben einzuprogrammieren, mit dem Betrachter zu interagieren und Tabellen nicht nur gut aussehen zu lassen.

Zwar sieht man heute seltener blaue Bildschirme, aber es gibt mehr Potenzial denn je, mit einem Auge für Design und der Fähigkeit zu programmieren, vieles besser zu machen. Um das zu belegen, benötigten wir keine Verkaufszahlen aus Cupertino - oftmals genügt ein unbefangener Blick.

Potenzial existiert unabhängig davon, ob es ein großes Institut für Konsumforschung ist, dessen Mitarbeiter jeden Schritt in Office zweimal durchführen, ein global tätiges DAX-Unternehmen, das sein internationales Projektmanagement per E-Mail abwickelt oder ein mittelständischer Dienstleister, dessen Serverwartung jeden Monat mehr Geld verschlingt, als ein Dropbox-Account in zehn Jahren kostet.

Selbst das verzweifelte Gesicht der Bedienung im Café könnte wieder lachen, wenn endlich einmal jemand eine vernünftig zu bedienende Anwendung für ihren Mini-Kassen-Computer entwickeln würde. Allerdings bekäme ich dann die Rechnung leider schon lange bevor der Kaffee neben meinem iPad kalt geworden ist. Andererseits hätten wir somit mehr Zeit für wichtigere Dinge. Und unsere Anzüge würden wahrscheinlich auch besser passen.